Begeisterung für Experimente

«Meine Erfahrung zeigt: Man kann Kinder haben UND beruflich eine wichtige Funktion ausüben. Ich möchte junge Frauen motivieren, beides zu wagen.»

Ihre Augen funkeln, wenn sie vom Kometen Churiumov-Gerasimenko erzählt. Zu diesem Kometen hat sie eine besondere Beziehung – hat sie doch ein Gerät entwickelt, das dessen Kometenschweif misst. Heute forscht Bettina immer noch, ist aber wörtlich auf dem Boden der Realität gelandet, nämlich auf der Strasse. So analysiert sie bei der AXA, wie es zu Unfällen auf Schweizer Strassen kommt und wie diese verhindert werden können.

Begeisterung für Experimente

«Ich bin kein klassischer Physik-Nerd, nein», lacht sie. Als Leiterin Unfallforschung & Prävention und Leiterin Motorfahrzeug Flotten muss sie neben Forschungsgeist auch Führungsqualitäten an den Tag legen. Wie funktioniert dies mit einem Pensum von 60 Prozent? «Das wussten wir anfangs auch nicht. Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, hat mir mein damaliger Vorgesetzter die Möglichkeit gegeben, das Experiment zu wagen.» Von Vollzeit runter auf 60 Prozent.

Bettina an einem AXA Crashtests

Dialog, Teamgeist und Eigenverantwortung

Im Team benötigte es anfangs eine Findungsphase: «Meine Präsenzzeit war kürzer. Die einen Team-Mitglieder empfanden das als neu gewonnene Freiheit, andere waren dadurch verunsichert. Auch weil ich aufgrund von Sitzungen nicht immer am Arbeitsplatz sichtbar war.» Mit der Einführung eines «Opendoor» Termins, also einer Art offenen Fragestunde, konnte das Problem dann allerdings gelöst werden.

Diese Erfahrung zeigt: Neue Arbeitsmodelle benötigen Vertrauen, Dialog und Offenheit für neue Lösungen.

Bettina Zahnd

«Und es erfordert sehr selbstständige Mitarbeitende», ergänzt die Mutter zweier Kinder. Nicht ohne Stolz doppelt sie nach: «Ich habe ein sehr gutes Team, das mittlerweile genau weiss, wann sie mich involvieren müssen.» Ihr Fazit: Wenn alle Beteiligten an einer Lösung interessiert sind, können sich neue Chancen eröffnen – und das lohnt sich am Schluss für Mitarbeitende und Unternehmen.

Abgelenkt: Auffahrkollision – ein Themenfeld von Bettina

Mutig alles wollen

«Ich war beim ersten Kind extrem froh um interne Vorbilder: Andere erfolgreiche Frauen, die Teilzeit in Führungspositionen arbeiten.» Die Physikerin möchte ihre Erfahrungen weitergeben. Am Mittelschülerinnen-Tag der Universität Bern motiviert sie daher regelmässig junge Frauen, ihren Weg zu gehen. «Sie müssen wissen, dass sie im Unternehmen gebraucht werden. Auch wenn sie sich eine Familie respektive Kinder wünschen. Sowohl als auch – das muss die Devise sein!»

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